Feeds:
Beiträge
Kommentare

Schluss!?

Nein!!
Nur das Ende vom Anfang!!

Gestern nachmittag müde und gut gelandet.

Doch was war davor? Ich hab mich ja schon ewig nicht mehr gemeldet!
Hm…nun ja…
eigentlich gar nicht so arg viel. Aber (wie üblich): eigentlich doch viel. Vor allem gelebt halt. Und eingelebt in ein Leben zu zweit. Ich muss sagen in Tanzania heiraten die Leute nicht ohne Grund: Geteilte Arbeit ist schönere Arbeit. Aber das sollte ja nicht der Hauptgrund sein 🙂 Nein, uns erging es gut und das Leben ist schön!
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier mal was richtig schönes, langes zu schreiben…hatte unterwegs auch schon immer irgendwelche Ideen…die sind mir aber alle entfallen… außerdem ist es schon wieder reichlich spät und ich mag morgen früh aufstehen…verzeiht mir, ich werde mich deshalb nun etwas kurz fassen. Deshalb: Wen irgendwelche näheren Details interessieren, der darf mir gerne eine eMail schreiben, ich werde antworten.
Also:

  • Es wurde inzwischen angefangen, unseren Brunnen zu graben. Da hat der Benitho zwei tapfere Recken aufgetrieben, die mit Hacke, Schaufel und Eimer angefangen haben zu graben. Bei meiner Abfahrt war noch kein Wasser in Sicht, aber wenn man in das Loch schaute, außer Dunkelheit auch niemand mehr zu sehen.
  • Unsere Hühner (inzwischen sieben Stück plus Hahn) haben einen Zaun für ihren Auslauf bekommen. Außerdem Futtertröge und eine schöne Hühnerleiter.
  • Für unseren Ofen haben wir endlich eine sehr stabile Eisenplatte gefunden. Jetzt fehlt nur noch eine Tür. Die ist aber bereits in Auftrag gegeben. Wird also weiterhin auf Kohlen gekocht.
  • Am letzten Tag vor Abreise kam der Möbelwagen. Also genauer: Wir haben einen leeren LKW, der gerade beim Schreiner an der Straße vorbeigefahren ist, gebeten, doch eben ein paar Möbel aufzuladen. Hat er gemacht. Und dann direkt bei uns vor der Haustür wieder abgeladen. Es fehlten uns noch zwei Schränke und eine Couch. Jetzt sind sie da. Und nach ein bißchen hinundherrangieren stehen sie auch alle an den richtigen Plätzen.

Bei meiner Abreise wurden mir noch Grüße an alle meine Freunde mitgegeben. Von Benitho und Familie, sowie Magudzi und Familie. Die dürft ihr euch hiermit bei mir abholen.
Bevor ich geflogen bin, bin ich noch mit Salome (meiner Frau) zu ihren Eltern gefahren. Habe quasi noch ein paar Tage Urlaub gemacht. Danach sind wir zwei nach Dar es Salaam an die Küste. Wo die Temperaturen im Gegensatz zum April ja fast anständig waren. Nicht über 30 Grad. Und vor allem nicht wirklich schwül. Wir mussten nachts nichtmal den Ventilator anschmeissen. Mittwoch habe ich noch den Jugendlichen aus Lupembe, die jetzt gerade in Rosenheim weilen, einen Crashkurs im Flugzeugfliegen gegeben (da war noch keiner vorher außer Landes), bevor sie dann am Abend abhoben. Die andern Tage durch die Stadt gestrolcht. Schweren Herzens Abschied genommen. Wobei neben dem weinenden Auge dann natürlich das freudige doch auch da war, weil ich ja hier in Deutschland auch eine Heimat und Familie habe. Abgehoben hab ich dann in der Nacht von Freitag auf Samstag um viertelnachzwei. Total bescheuerte Zeit, weil: Man wartet schon den ganzen Tag und die halbe Nacht, dann fliegst du los, bekommst erstmal ein Sandwich zum Essen, bevor du etwas zu schlafen versuchen kannst. Und um 5 gibt’s dann ja schon wieder frühstück, weil ja dann sehr balb die Landung ansteht… Also die Landung in Kairo zum umsteigen. Und Kairo war noch kälter als Dar. Ich hab mir zeitweise meine Fleecejacke und Mütze angezogen. Ich muss euch sagen: Ich mag Klimaanlagen überhaupt nicht!
Ja, und dann eben weiter nach München. Und hier bin ich. Bevor ich eben am 3.8. in den Schwarzwald fahr, werd ich morgen die Leute in Rosenheim beuschen, bestimmt ein paar alte Gesichter sehen, ausspannen, arbeiten,… Ja ich weiß, viel für die paar Tage. Aber das klappt schon. Man sieht sich!

Neben Hühnerstall bauen und eine Schülerin im Umgang mit dem Computer zu unterrichten, war ich die letzten Wochen mit einem weiteren Projekt beschäftigt. Ich hatte ja geschrieben, dass ich hier im Prinzip einfach lebe und nicht wirklich sowas wie ‚Entwicklungshilfe‘ mache. Aber immer mal wieder werde ich gefragt, ob man mich irgendwie unterstützen kann. Darauf ich: „Wenn’s was gibt, schreibe ich es hier“. Und das mache ich jetzt. Es soll aber immer noch kein Spendenaufruf sein, sondern erstmal nur Bericht, wer dann trotzdem will, da sag ich dann auch nicht nein. Das hat für mich vor allem den Grund, dass ich das eigentlich privat mache und ein daraus eventuell entstehender Gewinn auch erstmal in meine eigene Tasche fließt, somit aber wiederum mein Leben hier unterstützt und so auch wieder indirekt anderen Dingen, die ich hier machen werde und könnte, zu Gute kommt. Ohje, so viel Gefasel von mir; zur Sache:

Ich pflanze Bäume.
Mit einem hier im blog schon mehrfach erwähnten Freund (Benitho) sind wir an die Möglichkeit gekommen ein größeres, zusammenhängendes Stück Land zu erwerben. Eher erstmal nur einen kleinen Teil, weil es wirklich sehr groß ist: 1000acre stehen zum Verkauf zur Verfügung. 1acre sind etwas mehr als 4000m². Zum Vergleich: ein Fußballfeld hat gute 5000m². Also wirklich groß, da würde mein Geld vorne und hinten nicht reichen, deshalb gehört uns erstmal nur ein kleines Stück. Und darauf werden wir zur Pflanzzeit im Dezember/Januar Bäume pflanzen (eine Nadelbaumart, die hier ‚paina‘ genannt wird, teils gemischt mit anderen Arten). 400 Stück pro acre. Das machen wir aus folgenden Gründen:

  1. Das ist ein gutes Geschäft und bringt Geld in die Kasse.
  2. Das Klima ist günstig, die Bäume wachsen hier recht schnell. Nach 6-10 Jahren ist ‚Erntezeit‘.
  3. Umweltschutz: Kenner der Gegend um Lupembe wissen, dass hier im Moment wirklich viel abgeholzt wird. So schadet es nicht, dass auch wieder angepflanzt wird. Und lieber mehr als zu wenig! Ich möchte versuchen, keine reine Monokultur anzubauen, sondern etwas zu mischen. Das wird hier recht wenig gemacht. Ist aber nicht nur zum Krankheitsschutz gut, sondern eigentlich auch praktisch, weil verschiedenes holz für verschiedene Zwecke eingesetzt wird.

Ich habe einmal nachgerechnet, und da im Nachhinein doch immer alles teurer ist als geplant, ein bißchen draufgeschlagen: Um 1acre Land mit Bäumen zu bepflanzen sind, wenn ich mich nicht verrechnet habe, nach momentanem Wechselkurs ca. 15€ nötig. Jeweils etwa ein Drittel zum Landkauf, zum Setzlinge vorbereiten und zum Anpflanzen. Dann im Laufe der Jahre brauchen sie nicht zu viel Pflege, irgendwann werden noch die unteren Äste geschnitten, damit die Bäume schon hoch nach oben wachsen.
Soweit von hier. Ich wünsche euch schöne sommerliche Tage. Hier ist es nachts und morgens im Moment ziemlich kalt. Dafür scheint tagsübernach dem vielen (Nieselregen) bis in den Mai hinein wieder ausreichend die Sonne, so dass meine Akkus immer ausreichend geladen sind.

Im Mai

Alles neu macht der Mai? Ja, zum Teil schon, bei mir war’s ja eher der April, wie man dem Bild im vorigen Beitrag entnehmen kann. Seit dem 19. (also bald schon einen ganzen Monat) wohne ich nicht mehr allein in meinem (bzw. unserem) kleinen Häuschen, sondern zusammen mit Salome. Wer mehr über sie/uns wissen will, kann mich ja fragen, wenn ich im Sommer nach Deutschland komme. Genauer am 23. Juli. Dieser Plan steht ja schon länger, dass ich ja dann im August wieder für das GoetheInstitut im Schwarzwald arbeiten werde. Das Neue daran ist, dass ich danach nicht sofort wieder hierher zurückfliegen werde. Ich werde noch einmal ein Schuljahr an der MontessoriSchule in Eberharting verbringen! Einige haben schon gefragt, ob wir dann zusammen kommen werden. Hier die Antwort: Erstmal nicht. Wir würden ja gern, aber da die deutschen/europäischen Visabestimmungen trotz Status „verheiratet“ immer noch so sind: entweder nur drei Monate ohne Verlängerung oder länger, aber dann vorher Deutschkenntnisse (durch bestandenen Test) nachweisen, ist es erstmal nicht möglich. Allein fliegt sie auch nicht, ersten ist sie noch nie geflogen, zweitens kann sie auch nur sehr wenig Englisch. Habt also Geduld (ich auch…), wir schaffen’s schon noch.
Außerdem neu im April: Meine liebe Schwester war da! Mit ihr neu: Auf Reisen bin ich das erste Mal bis Arusha (anstrengende Touristadt!) und Kondoa (nettes, verschlafenes, sandiges Nest; ehem. Stützpunkt der deutschen Schutztruppe) vorgestoßen. Hier in Lupembe hat sie sich dann gleich daran gemacht etwas mehr Farbe in’s und an’s Haus zu bringen. Ein Gast wird nun an der Haustür nett begrüßt (auch wenn niemand da ist) und schläft in dem für ihn/sie bestimmten Zimmer unter Blume. Außerdem neu: Ich bin inzwischen im Besitz mehrerer neuer Möbel.
Außerdem: Ich habe seit dem 4.4. offiziell meine Aufenthaltsgenehmigung (die vorherige vorübergehende Erlaubnis ging noch bis 9.4.). Hat lange gedauert, aber nun darf ich im Land bleiben, sowie ohne Probleme ein-
und ausreisen bis zum 4.4.2013! Eine folgende Verlängerung sollte dann weniger Probleme machen (wurde mir schon von verschiedenen Seiten bestätigt).

Neu im Mai: Ich habe ja im Januar einen Laptop mitgebracht bekommen (danke nochmal Hans). Und da ich ja jetzt mein Residence Permit habe, und damit auch die Erlaubnis Arbeiten auszuführen, die im Sinne der NGOsind, die mir das Permit besorgt hat (also „development“ in allen Bereichen). So habe ich seit dem 2. Mai meinen ersten Schüler, der den Umgang mit dem PC lernt: Mussa Mwamisori. Er hat gerade sein Abi in der Tasche und würde gerne an eine Uni zum Studieren. Dafür ist es auch in Tanzania nicht schlecht, wenn man mit dem Computer umgehen und z.B. seine Arbeiten darauf schreiben kann.
Da in Tanzania so gut wie alle Computer mit Windows laufen und ich meinen Schüler ja optimal auf’s Leben vorbereiten will, musste ich nun wohl oder übel (bin ja seit mehreren Jahren Ubuntu/Linux-user) Windows XP draufspielen. Und man mag es eigentlich kaum glauben, unter Ubuntu lief auf dem Laptop eigentlich alles wunderbar. Jetzt unter Windows funktioniert z.B. der Kartenleser nicht mehr, und es behauptet, dass gar keine Soundkarte eingebaut sei… Windoof halt… Aber das sind ja nicht die wichtigsten Funktionen. Der Rest funktioniert schon. Und er stellt sich gar nicht blöd an. Gestern haben wir z.B. auch schon einen Facebook-Account eröffnet. Erster Freund: Ich. Dann gleich ganz viele seiner ehemaligen Klassenkameraden.

Neu im Juni: Mal seh’n. Ich berichte…

Ja, jetzt befinde ich mich schon sechs Monate und ein paar Tage in diesem Land. Und es geht mir gut. Viel ist passiert. Aber eigentlich doch nur ganz wenig. Einerseits hab ich viel erlebt, andererseits ziehen sich manche Sachen ewig hin. Da bin ich z.B. erst vor zwei Wochen in mein Haus gezogen und die Einrichtung ist im Moment auch noch sehr dürftig. Genauso fehlt mir auch noch mein Residence Permit, das ich Ende September beantragt hatte. Aus diversen Gründen hat es sich verspätet, ist aber nicht verloren. Andererseits war ich auf vielen Hochzeiten, hab ein ganzes Haus (natürlich nicht allein) fertiggestellt, habe mit meiner Freundin Urlaub am See gemacht, Kartoffeln gepflanzt und zum Teil schon geerntet, mit meinem PC und Internet verschiedenen Leuten geholfen Informationen zu beschaffen (z.B. Ergebnisse der SecondaryAbschlussSchüler) oder eMails und Briefe zu schreiben und zu drucken.

Alles in allem also doch ein ereignisreiches halbes Jahr. Und mir geht es gut dabei. Ich möchte kurz auf die unter „Über das Projekt“ aufgeführten Ziele eingehen. Dahingehend ändert sich nämlich ein bißchen was:
Ziel1: Leben leben. Das tue ich. Intensiv. Und mehr als genug. Bin hier fast normal unter den Leuten von hier, arbeite, koche auf meinem Kohleofen, wasche mit der Hand, Garten pflegen, Freundin besuchen, auf der Terrasse in der Sonne entspannen… Damit sind meine Tage ganz gut ausgefüllt. Dauert alles bißchen länger und ist anstrengender als in Deutschland. Aber kein Problem, hab ich ja vorher schon gewusst. Wirkt sich aber aus auf
Ziel2: Bildungsarbeit. Wenn man sich nun mal so anschaut, was ich die letzten Monate über so gemacht habe, soeht es so aus, dass ichdahingehend eigentlich nichts gemacht habe. Stimmt im Prinzip auch, wenn es um konkret manifestierte Projekte geht. Wenn man sich aber die informelle „Bildung“ anschaut, sieht das meiner Meinung nach anders aus. Was nun folgt, ist eine persönliche Einschätzung, überhaupt nicht wissenschaftlich untersucht und fundiert. Allein dadurch, dass ich hier bin, wurde vielen Leuten „geholfen“. Allein dadurch, dass ich hier bin, tut sich eine neue Informationsquelle auf. Bald täglich gerate ich mit Menschen auf der Straße oder bei Freunden zuhause ins Gespräch; über Deutschland, gott und die Welt. Ich behaupte nun, dass allein das viel wert ist. Dann bietet meine Internetverbindung die Möglichkeit sich Informationen zu beschaffen. Und ist das nicht ein großer Aspekt von Bildung, dass man sich Informationen beschafft? Durch Lehrer präsentiert, selbst gesucht,… Man muss nur die Möglichkeit dazu haben!
Ich möchte deshalb nun dieses Ziel umbauen, bzw. ein drittes hinzufügen: Ich werde weiter mein Leben leben. Dabei viele Dinge ausprobieren. Was ich ja bereits angefangen habe, z.B. durch den Bau des Hauses nach eigenem Plan (nicht der übliche von hier), der Holzofen in der Küche (auch nicht gerade üblich), Regen auffangen mit Trichtern und Rohr (genau: auch nicht das Übliche)… Dies sind drei Beispiele, bei denen jeweils mindestens ein Mensch gemeint hat (sinngemäß): „Coole Sache, das muss ich auch so ausprobieren!“ => Bildung = Möglichkeiten sich Informationen beschaffen zu können (und sich mit anderen darüber austauschen können (so hab ich z.B. auch über das Gartenanlegen in diesen Breiten und Wettersituation gelern)). Das möchte ich gern weiterführen, viele Dinge ausprobieren, vor allem erstmal aus eigenem Interesse. Wenn es funktioniert, wird sich das weitere von selbst ergeben. Was haltet ihr davon? Ideen habe ich einige.

Ich möchte an dieser Stelle auch allen danken, die an mich denken, und die, die mir bisher etwas Geld gespendet haben. Da dieses ja auf meinem Privatkonto landet, führe ich Buch mit getrennten Konten. Da es bisher keinen speziellen Verwendungszweck gab, hoffe ich, dass ich es bisher in eurem Sinne verwendet habe. Ich habe bisher einen Drucker gekauft, der immer wieder mal im Einsatz ist. Außerdem habe ich aus dem Projekt-Konto die Hälfte eines neuen Wechselrichters bezahlt, der im Gegensatz zu meinem kleinen alten (der inzwischen auch noch kaputt gegangen ist) den hohen Anlaufstrom des Druckers aushält. Desweiteren habe ich davon einen kleinen Teil meiner außerplanmäßigen Visaverlängerungen bezahlt (die in diesem Monat hoffentlich mit dem Erhalt meines ResidencePermits ein ende haben). Im Moment befinden sich 50€ in diesem Topf. Wenn ihr nichts dagegen habt, werde ich daraus auch immer einen Teil der Aufwendungen der für „Ziel3“ erwähnten Dinge bezahlen, das ich oben erwähnt habe. Falls eine Idee sich rauskristallisiert und Form annimmt, werde ich sie euch hier darstellen.
Außerdem muss ich ganz herzlich dem Hans Langbauer von den Eberhartingern danken. Er hat mir einen gebrauchten Laptop zukommen lassen. Dieser wird benutzt, wenn weitere Personen das Internet benutzen oder mit Word/Excel etwas schreiben und drucken wollen. Es wird wahrscheinlich auch noch dazu kommen, dass ich anderen – jetzt vielleicht nicht starr „Unterricht“ oder Kurse gebe – sondern bei Problemen und Interesse spontan etwas erkläre, zeige,… Mal länger, mal kürzer. Dabei war der Schatzmeister des Dekanats in letzter Zeit mein Haupt“kunde“, während er die Jahresendabrechnung gemacht hat.

So werde ich also die nächsten Monate weiterleben. Genauer gesagt, die nächsten ca. vier Monate, bevor ich im Sommer quasi „Urlaub“ machen werde in Deutschland. Ich werde im August, wie letztes Jahr, wieder für das Goethe-Institut im Schwarzwald arbeiten. Drum herum ein bißchen freie Zeit.

Protokoll eines Umzugs

Mittwoch, 23.02.2011
Heute habe ich den Tag über bis zum frühen Nachmittag ein paar Wände in meinem (immer schöner werdenden) kleinen Häuschen mit weißer Farbe versehen. Danach war packen angesagt. Einige Sachen hatte ich schon vorher in meiner Alukiste verstaut, aber der Großteil war jetzt dran. Dafür auf dem Rückweg im Laden der Familie Msambwa zwei Säcke besorgt und dort erstmal einen Regenschauer abgewartet, der für kurze Zeit mitsamt Blitz und Donner über Lupembe hinwegfegte. Zurück im Dekanatscenter dann alles verpackt. Mit Unterbrechung zum Abendessen. Und um kurz nach 23Uhr war dann als letztes auch die Satellitenschüssel abgebaut und ich konnte schlafen gehen.

Donnerstag, 24.02.2011
Während ich den ganzen Tag über unterwegs war, hat Benithos Bruder (der Solarmensch von hier) meine Solarmodule und zugöheriges Equipment abgebaut und verpackt. Als ich am Abend so gegen halb neun zurückkam, ging der Spaß erst richtig los. Der kleine Laster, mit dem ich zurückgekommen bin, war nämlich eingeplant, mein Zeug etwa einen Kilometer weiter zu meinem Häuschen zu transportieren. Das war spannend, da der Laster nicht leer war. Aber dank tatkräftiger Hilfe von ein paar Freunden passte alles rein (auch wenn die Satellitenschüssel hinten rausschaute und festgehalten werden musste…). Aber nach kurzer Fahrt sind wir sicher angekommen und haben alles schnell im Haus in einem Zimmer gestapelt. Schon etwas müde, bin ich aber nochmal zurück zu Magudzis, um so gegen zehn noch was zu Abend zu essen. Und dann wieder zu Fuß zurück, um meine erste Nacht im eigenen Haus zu verbringen.

Freitag, 25.02.2011
Die Matratze liegt zwar noch ohne Bettgestell auf dem Boden (und nicht in dem Zimmer, wo sie hin soll (da riechts noch nach Farbe)), aber sie ist wesentlich bequemer als die, die ich die letzten Monate benutzt habe, und ich habe super geschlafen. Das Frühstück nochmals bei Magudzis verbracht und wieder zurück zum Haus. Hier angefangen mein Gepäck ein bißchen zu sortieren, bis dann Benithos Bruder kam, und wir das Haus verkabelt und die Solarmodule aufs Dach gebracht haben. Das ging den Tag über gemütlich so dahin (mit Essenspause im Cafe um die Ecke), bis wir zum Abschluss der Arbeit den Standfuß für die Satellitenschüssel einzementiert haben. Dann habe ich nach meiner ersten Nacht und meinem ersten Tag in meinem ersten eigenen Haus das erste Mal meinen kleinen Kohlegrill angeworfen, Wasser warm gemacht und das erste Mal in meiner eigenen Dusche in meinem eigenen Haus geduscht. Gleich im Anschluss, bevor es richtig dunkel wurde (also so ca. um sieben) mein erstes eigenes Essen in meiner eigenen Küche gekocht: Ganz einfach Reis mit Tomatensoße. Dazu eine Avokado, die mir heute mein Nachbar geschenkt hat. Lecker!
Eigentlich wollte ich nochmal kurz beim Magudzi vorbeischauen und eine meiner zwei ersten Zucchini aus meinem eigenen Garten schenken, aber da hat mir der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das sind nicht irgendwelche Zucchini, das sind RIESENzucchini! Ich kann nur jedesmal wieder staunen, wenn ich an denen auf dem Weg zum Klo vorbeikomme. Ich hab nämlich einfach nur die Samen in die Erde gesteckt, ohne irgendwelchen Dünger! Wow!
Und nun sitze ich hier auf meinem Bett in meinem eigenen Haus, schreibe, höre dem Regen zu und werde langsam ein bißchen müde. Deshalb wünsche ich euch schon um kurz nach neun eine wunderschöne gute Nacht.

Samstag, 26.02.2011
Heute war ich vor allem auf einer Hochzeit und habe dort Fotos gemacht, die den Hochzeitsleuten entwickelt werden. Bin erst im Dunkeln wieder zurück und bald ins Bett. Gegessen hatte ich genug auf der Hochzeit.

Sonntag, 27.02.2011
Nach dem Gottesdienst noch schnell für den Evangelisten Mdetemi ein Passfoto geschossen, das er für die Bank braucht. Dann weiter zu den Hochzeitsleuten, Fotos am Laptop anschauen und aussuchen, welche entwickelt werden sollen. Da ich aber nicht wusste, wo sie wohnen, wollte mich Magudzi zu ihnen bringen. der wurde aber erst bei einer Taufgesellschaft eingeladen. Da er aber eigentlich den Auftrag hatte, die Pfarrerin nach Hause zu fahren (mit dem Motorrad), bin ich als Ersatz für ihn auf die Feier gegangen. Dort sollte mir dann jemand den weiteren Weg zeigen. Dorthin haben mich dann einige Kids begleitet, die mich letztendlich nach dem Essen bei der Taufe zu den Hochzeitsleuten gebracht haben (auf dem Rückweg haben wir uns dann als Dankenschön ein paar Bonbons geteilt). Dort durfte ich dann nochmal essen, sodass ich am Abend wieder so voll war, dass ich mir nichts kochen brauchte. War heute also wieder nichts am Haus geschehen.

Montag, 28.02.2011
Kaum dass ich aufsteh, stehen auch schon Benitho und sein Bruder vor der Tür. Ich hatte gerade erst Feuer gemacht, um Teewasser warm zu machen. Während das Wasser kochte haben wir aber gleich schon mit der Arbeit begonnen. Mit seinem Bruder richte ich die Satellitenschüssel aus, sodass ich seit heute Mittag wieder online bin, und zwar im eigenen Haus. Das Ausrichten ging diesmal richtig schnell, weil ich beim Abbau möglichst alles so gelassen hatte, wie es war. So nach 10Minuten hatten wir dann richtig guten Empfang. Kaum fertig, kam Benitho zurück, er hatte ein paar Bretter geholt, aus denen wir einen Lattenrost für mein Bett gezimmert haben. Das bedeutet also, dass ich die nächste Nacht im richtigen Zimmer im eigenen Bett im eigenen Haus schlafen kann! Deshalb auch gleich mal gut rausgekehrt, damit ich sauber schlafen kann. Davor aber erstmal, nachdem die beiden Brüder wieder weg waren, zu Mittag gegessen. Heute (mitsamt Abendessen) recht italienisch: Rucola, dessen Samen mir die liebe Andrea aus Eberharting hat zukommen lassen (lecker!), mit Radieschen. Beides aus dem eigenen Garten. Und am Abend Spaghettini mit Zucchini-Tomaten-Soße (erstere ist ein Stück meiner zweiten RIESENzucchini), angereichert mit einer kleinen Chilischote und einer Knoblauchzehe (beides (noch) nicht aus eigenem Anbau). Fehlt nur noch ein gemütlicherer Platz zum Sitzen und Essen als die Treppe vor der Haustüre. Aber das kommt alles (auch ein Tisch, der Laptop steht gerade auf nem Stuhl) vermutlich im Laufe der nächsten Wochen…

bado kidogo

„nur noch ein bißchen“

Ich wünsche euch ein frohes Neues. Um mich herum blitzt es gerade überall, aber oben sternenklar. Vorgestern hat es das letzte Mal geregnet. Also wird es morgen wahrscheinlich in der Früh wieder einen kräftigen Schauer geben. Aber das ist auch gut so. Weil wir heute vor und hinterm Haus hübsche Blumen gepflanzt haben, die jetzt erstmal neue Wurzeln schlagen müssen. Außerdem auch gut für das Gemüse. Die Kartoffeln gedeihen (fast) alle gut. Und auch das restliche Gemüse zeigt erste Sprosse: von Kohl, Tomaten, Zwiebeln hab ich die Samen hier gekauft. Einiges anderes (z.B. Zucchini, Schwarzwurzel, Rosenkohl,…) aus dem famosen Dreschflegel-Öko-Bio-Samen-Versand in Deutschland, einfach mal zum ausprobieren, ob diese Gemüse hier auch wachsen. Fast alle sind aufgegangen, nur Auberginen und Andreas Salat lässt noch auf sich warten… Dauert also noch ein bißchen.
Auch am Haus dauert es nur noch ein bißchen. Das größte ist noch der Fußboden, aber heute wurde endlich der nötige Sand geliefert. Kann also losgehen. Sonst fallen lauter kleinere Arbeiten an, die den Einzugstermin hinausschieben würden, wenn es ihn denn gäbe. dazu zählt z.B. eine kleine Veranda, ein Klo auf dem man auch sitzen kann, oder der Versuch einen geschlossenen Ofen in der Küche zu bauen, in dem man auch Brot backen kann. Mal sehn, ob er seine Arbeit tut, so wie er es soll. Noch ist der Lehm am trocknen. Auch die Fensterrahmen werden gestrichen. Malerarbeiten sind ganz meine Aufgabe. Alles in allem also noch bißchen Baustelle. Ich meld mich dann vom Einzugsfest, das wir in jedem Fall ein bißchen feiern werden. Aber: bado kidogo.